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| „Vielfach sind zum Hades die Pfade“, heisst ein |
| Altes Liedchen — „und einen gehst du selber, |
| Zweifle nicht!“ Wer, suesseste Sappho, zweifelt? |
| Sagt es nicht jeglicher Tag? |
| 5 | Doch den Lebenden haftet nur leicht im Busen |
| Solch ein Wort, und dem Meer anwohnend ein Fischer von Kind auf |
| Hört im stumpferen Ohr der Wogen Geräusch nicht mehr. |
| — Wundersam aber erschrak mir heute das Herz. Vernimm! |
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| Sonniger Morgenglanz im Garten, |
| 10 | Ergossen um der Bäume Wipfel, |
| Lockte die Langschläferin (denn so schaltest du juengst Erinna!) |
| Frueh vom schwueligen Lager hinweg. |
| Stille war mein Gemuet; in den Adern aber |
| Unstet klopfte das Blut bei der Wangen Blässe. |
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| 15 | Als ich am Putztisch jetzo die Flechten lös'te, |
| Dann mit nardeduftendem Kamm vor der Stirn den Haar- |
| Schleier teilte, — seltsam betraf mich im Spiegel Blick in Blick. |
| Augen, sagt ich, ihr Augen, was wollt ihr? |
| Du, mein Geist, heute noch sicher behaus't da drinne, |
| 20 | Lebendigen Sinnen traulich vermählt, |
| Wie mit fremdendem Ernst, lächelnd halb, ein Dämon, |
| Nickst du mich an, Tod weissagend! |
| — Ha, da mit eins durchzuckt' es mich |
| Wie Wetterschein! wie wenn schwarzgefiedert ein tödlicher Pfeil |
| 25 | Streifte die Schläfe hart vorbei, |
| Dass ich, die Hände gedeckt aufs Antlitz, lange |
| Staunend blieb, in die nachtschaurige Kluft schwindelnd hinab. |
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| Und das eigene Todesgeschick erwog ich; |
| Trockenen Augs noch erst, |
| 30 | Bis da ich dein, o Sappho, dachte, |
| Und der Freundinnen all, |
| Und anmutiger Musenkunst, |
| Gleich da quollen die Tränen mir. |
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| Und dort blinkte vom Tisch das, schöne Kopfnetz, dein Geschenk, |
| 35 | Köstliches Byssosgeweb, von goldnen Bienlein schwärmend. |
| Dieses, wenn wir demnächst das blumige Fest |
| Feiern der herrlichen Tochter Demeters, |
| Möcht ich ihr weihn, fuer meinen Teil und deinen; |
| Dass sie hold uns bleibe (denn viel vermag sie), |
| 40 | Dass du zu frueh dir nicht die braune Locke mögest |
| Fuer Erinna vom lieben Haupte trennen. |